Die Formel in drei Schritten.
Erstens legst du den fachlich sinnvollen Stop fest. Zweitens rechnest du seine Entfernung in Ticks um. Drittens teilst du dein maximales Risikobudget durch das Dollar-Risiko eines Kontrakts. Gebühren und eine realistische Ausführungsreserve gehören in den Nenner, nicht erst nachträglich in die Auswertung.
Beispiel MNQ: Ein Stop von 40 Punkten entspricht bei 0,25 Punkten Tickgröße 160 Ticks. Ein MNQ-Tick ist 0,50 US-Dollar wert. Das rechnerische Risiko beträgt damit 80 US-Dollar pro Kontrakt vor Kosten. Bei 250 US-Dollar Risikobudget sind maximal drei Kontrakte möglich; inklusive Kostenreserve kann die zulässige Zahl niedriger sein.
ES, NQ, MES und MNQ haben nicht dasselbe Dollar-Risiko.
Die Zahl der Kontrakte sagt allein fast nichts über das Risiko. Laut CME bewegt ein Tick den ES um 12,50 US-Dollar, den NQ um 5 US-Dollar, den MES um 1,25 US-Dollar und den MNQ um 0,50 US-Dollar. Ein identischer Stop in Punkten erzeugt deshalb je nach Produkt ein völlig anderes Ergebnis.
Micro-Kontrakte sind nicht automatisch sicher. Sie erlauben lediglich eine feinere Stückelung. Wer statt eines E-mini zehn Micros handelt, bildet ungefähr dieselbe Index-Exposition ab und hat nicht plötzlich ein Zehntel des Risikos.
| Kontrakt | Tickgröße | Tickwert | Wert je Indexpunkt |
|---|---|---|---|
| ES | 0,25 Punkte | 12,50 $ | 50 $ |
| NQ | 0,25 Punkte | 5,00 $ | 20 $ |
| MES | 0,25 Punkte | 1,25 $ | 5 $ |
| MNQ | 0,25 Punkte | 0,50 $ | 2 $ |
Der Stop bestimmt die Size – nicht umgekehrt.
Ein häufiger Rechenfehler beginnt schon vor der Formel: Der Trader entscheidet sich für eine gewünschte Kontraktzahl und schiebt den Stop anschließend so nah an den Entry, bis das Dollar-Risiko passt. Damit wird aus Position Sizing eine nachträgliche Rechtfertigung.
Der Stop sollte an dem Punkt liegen, an dem die Trade-Idee nach der gewählten Methodik nicht mehr gültig ist. Erst danach zeigt die Formel, wie viele Kontrakte das Konto tragen kann. Passt nicht einmal ein Micro-Kontrakt in das Budget, ist Auslassen eine korrekte Rechenlösung.
ReihenfolgeSetup prüfen → Invalidierungslevel festlegen → Stop-Distanz messen → Tickwert anwenden → Kontrakte abrunden.
Margin ist keine Verlustgrenze.
Intraday-Margin beantwortet, wie viel Kapital der Broker zum Öffnen einer Position verlangt. Sie beantwortet nicht, wie viel diese Position bei einer normalen oder außergewöhnlichen Bewegung verlieren kann. Futures wirken gehebelt; deshalb können kleine Preisbewegungen das Kontoguthaben deutlich verändern.
Auch ein Stop ist keine Garantie für den geplanten Ausführungspreis. In schnellen oder dünnen Märkten kann der Fill schlechter ausfallen. Eine belastbare Size-Rechnung enthält deshalb neben dem theoretischen Stop-Risiko eine Reserve für Gebühren und mögliche Slippage.
- Broker-Margin nicht als maximales Trade-Risiko verwenden.
- Für jedes Instrument aktuelle Tickgröße und Tickwert prüfen.
- Entry und Stop auf dieselbe Preisbasis und denselben Kontrakt beziehen.
- Kommissionen, Börsengebühren und Slippage nicht vergessen.
- Bei Prop-Accounts zusätzlich Tageslimit und Verlustpuffer beachten.
Ein zweites Beispiel zeigt, warum Punktangaben nicht reichen.
Ein Stop von acht Punkten im MES entspricht 32 Ticks. Multipliziert mit 1,25 US-Dollar entstehen 40 US-Dollar Risiko pro Kontrakt vor Kosten. Vier MES-Kontrakte tragen damit 160 US-Dollar theoretisches Stop-Risiko.
Der gleiche Acht-Punkte-Stop im ES kostet bereits 400 US-Dollar pro Kontrakt. Die Chart-Distanz ist identisch, das Dollar-Risiko jedoch zehnmal so groß. Genau deshalb gehören Produkt, Tickwert, Stop und Kontraktzahl gemeinsam in jeden Risikoplan.

Quellen und weiterführende Informationen
Kontraktspezifikationen und Margin-Anforderungen können sich ändern. Prüfe vor einer Order die aktuelle Börsen- und Brokerangabe. Die Beispiele erklären die Rechenmethodik und sind keine Empfehlung für ein bestimmtes Risikoniveau.